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    DAKAR 2010: Der Buggy von Kahle Motorsport im Detail

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    Ein Auto hat vier Räder, einen Motor und ein Lenkrad: Das gilt auch für den Fast & Speed-Buggy des HS RallyeTeams, mit dem Matthias Kahle und Dr. Thomas M. Schünemann bei der Rallye Dakar 2010 den Sieg in der Buggy-Klasse anpeilen. Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen dem Wüstenrenner und einem Alltags-Pkw aber fast schon auf.

    Bemerkenswert ist allein der Tank des Buggy, der von Kahle Motorsport aufgebaut wurde: Mit 325 Litern ist das Volumen fast sechs Mal so groß wie bei einem Golf (55 Liter). Eine Tankfüllung muss für mindestens 880 Kilometer reichen, so lang ist die längste Prüfung der Dakar 2010. Das Leergewicht des Buggy liegt mit 1.300 Kilogramm übrigens auf Golf-Niveau.

    Große Unterschiede gibt es auch bei der Fahrzeugbreite. Bei einem durchschnittlichen Kleinwagen liegt die Spurbreite bei unter 1,5 Metern, der Fast&Speed-Buggy hingegen ist mit seinen 2,15 Metern breiter als so mancher Lastwagen. Der Grund dafür: Zwar ist ein breites Auto in kurvigen Abschnitten nicht so agil, dafür liegt der Buggy bei Unebenheiten viel besser auf der Straße – und davon gibt es bei der Dakar bekanntermaßen reichlich.

    All diese Unebenheiten problemlos zu überwinden, das ist der Job der Aufhängung. Speziell abgestimmte Reiger-Stoßdämpfer und ein Federweg von 40 Zentimetern sorgen dafür, dass der Wüstenrenner große Steine ebenso „schluckt“ wie tiefe Löcher.

    Der vielleicht größte Unterschied liegt bei den Reifen. Mit einem Durchmesser von mehr als 80 Zentimetern würden die Offroad-Reifen nicht einmal in den Radkasten eines Straßenautos passen.

    Die Anpassung auf die verschiedenen Untergründe erfolgt unter anderem durch den Reifendruck. Während ein normaler Autofahrer den Reifendruck seines Pkw höchstens für den Familienurlaub mit vollem Kofferraum erhöht, ändern die Dakar-Teams den Luftdruck in manchen Etappen mehrmals. Mit dem automatischen Reifendrucksystem (das bei den Buggys erlaubt ist) lässt sich der Druck per Knopfdruck aus dem Cockpit steuern. Für steinige Passagen wird der Luftdruck auf bis zu 1,8 bar erhöht, in sandigen Abschnitten teilweise auf unter 0,3 bar abgesenkt. Geringerer Reifendruck vergrößert die Auflagefläche des Reifens, die das Einsinken in den Sand verhindert und die Traktion in den Dünen verbessert.

    Sollte es erforderlich sein, ein Rad in der Wüste zu wechseln, braucht die Crew im Cockpit keinen Wagenheber, sondern nutzt ein hydraulisches Hebesystem. Auf Knopfdruck fahren auf beiden Seiten Stempel aus dem Fahrzeugboden und heben das Fahrzeug etwa 50 cm an. Damit ist ein schneller Radwechsel möglich – zudem kann das Fahrzeug schneller wieder flott gemacht werden, wenn es sich „eingesandet“, d.h. im Sand festgefahren, hat.
     
    Im Gegensatz zu modernen Pkw hat der Buggy wenige elektronische Helfer im Cockpit. Eine Klimaanlage sucht man hier ebenso vergebens wie elektrische Fensterheber – für Frischluft sorgen kleine Schiebefenster aus Plastik. Auf ein Navigationssystem, wie wir es in Deutschland kennen, müssen Kahle und Schünemann ebenfalls verzichten. Stattdessen kommt ein spezielles GPS-System des Veranstalters zum Einsatz, das lediglich Himmelsrichtung, Geschwindigkeit und die aktuellen Koordinaten anzeigt. Zusätzlich wird an jedem Vorderrad die zurückgelegte Strecke unabhängig voneinander gemessen und dem Navigator in zwei Displays  auf 10 Meter genau angezeigt.

    Zur Sicherheit erhält jedes Team vom Veranstalter das Satellitenüberwachungssystem IriTrack, mit dem die Rallyeleitung die aktuelle Position jedes Teilnehmers jederzeit einsehen kann. Im System sind Lage- und Verzögerungssensoren vorhanden, die beim Ansprechen automatisch per Satellit mit der Rallyeleitung Kontakt aufnehmen und damit einen möglichen Unfall anzeigen. Antwortet die Crew im Cockpit auf den dann erfolgten Anruf der Rallyeleitung nicht, wird umgehend Hilfe – am Tag per Helikopter, in der Nacht per Fahrzeug – zum  Fahrzeug gesandt. Fahrer und Beifahrer können mit Hilfe des IriTrack-Systems auch selbst telefonisch Kontakt zu den Organisatoren aufnehmen, wenn sie einen verunfallten Teilnehmer bemerken oder selbst in Schwierigkeiten geraten.

    Ein weiteres System, Sentinel, dient der Kommunikation zwischen Teilnehmern. Beim Überholen sendet das schnellere Fahrzeug auf Knopfdruck ein Signal an das vor ihm fahrende Fahrzeug, das daraufhin optisch und akustisch gewarnt wird und bei der nächst passenden Gelegenheit an die Seite fährt. Sentinel wurde für das sichere Überholen von Motorrädern entwickelt. Eine Zusatzfunktion warnt im Havariefall alle Teilnehmer im Umkreis von ca. 300 Metern – speziell in unübersichtlichem Gelände eine lebenswichtige Funktion.

    Wenig außergewöhnlich wirken dagegen die Eckdaten von Getriebe und Motor: Die sechs Gänge lassen sich – wie in vielen Sportwagen – sequenziell schalten. Die Leistungswerte des Honda-V6-Triebwerks mit 295 PS, 420 Nm Drehmoment und einer Maximaldrehzahl von 6.000 U/min werden auch von sportlichen Straßenautos erreicht. Dennoch sind das Getriebe und der 3,9-Liter-Motor keine Bauteile von der Stange, die Hightech liegt im Verborgenen.

    Bei der Silk Way Rallye fuhren Kahle und Schünemann erstmals mit der neuen Entwicklungsstufe des Motors. Teamchef Johnny Hakvoort spendierte den sechs Zylindern eine Nikasil-Beschichtung – eine Technologie, die auch in der Formel 1 eingesetzt wird. Gemeinsam mit dem größeren 34-Millimeter-Restriktor, den die benzinbetriebenen Buggies ab 2010 fahren dürfen, verbesserte sich die Leistung des Honda-Triebwerks dadurch um gut 20 PS. Nach dem Leistungsschub liegt der Topspeed des Buggy bei 195 km/h.
    (Quelle: Kahle-Motorsport)

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