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    Automuseum Prototyp – Der Porsche Typ 64 Berlin-Rom-Wagen

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    Porsche Typ 64 seitlich Berlin Rom WagenDer Porsche Typ 64 „Berlin-Rom-Wagen“ ist bei den International Historic Motoring Awards am 16. November 2011 in London zum „CAR OF THE YEAR“ gekürt worden. Unter der Bezeichnung Porsche Typ 64 bzw. Volkswagen Typ 60 K10 wurden auf der Basis des Vorserien-Volkswagen VW38 vom Ingenieurbüro Porsche 1939/1940 drei Stromliniencoupés gefertigt.

    Der Grund für den Bau dieser Coupés war die geplante Teilnahme an einem Langstreckenrennen von Berlin nach Rom, welches die faschistischen Regimes von Deutschland und Italien zur Propagierung ihrer Völkerfreundschaft veranstalten wollten.

    Eine solche Fernfahrt war bereits für das Jahr 1938 gemeinschaftlich von den Sportbehörden Deutschlands und Italiens geplant worden. Vermutlich wegen der Sudetenkrise und eines dadurch drohenden Krieges wurde das Rennen jedoch um ein Jahr verschoben und sollte Ende September 1939 stattfinden.

    Diverse Autohersteller konstruierten für die anstehende Fernfahrt auf der Basis von Serienwagen spezielle Rennsportvarianten mit Stromlinienkarosserien, da diese ihre Vorteile bezüglich Geschwindigkeit und Verbrauch u. a. auf langen Autobahnfahrten besonders deutlich unter Beweis stellen konnten. Es entstanden Stromformcoupés von der Firmengruppe Auto Union, von BMW, Lancia und Volkswagen. Ferdinand Porsche erhielt aus Berlin die Genehmigung, für Volkswagen drei Renncoupés zu bauen.

    Porsche arbeitete bereits an Plänen für einen „volkswagenähnlichen“ Sportwagen. Die Typennummer 64 hatte Porsche bereits zuvor für eine höher motorisierte Version eines eigenen Sportwagens mit Volkswagen-Komponenten reservieren lassen. Doch ein Porsche-Sportwagen mit Teilen eines staatseigenen Betriebes wurde zuvor von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) als Geldgeber abgelehnt.

    So entwarf Porsche zunächst Skizzen für einen komplett eigenständigen Sportwagen, den Typ 114 – mit einem V10-Mittelmotor. Diese Pläne kombinierte Porsche ab 1938 mit den Entwürfen für einen 1,5 Liter-Rennwagen (Typ 116), dessen Konzeption das Volkswagenwerk nun doch in Auftrag gegeben hatte. Diese Pläne kamen wenig später dem für das Berlin-Rom-Rennen zu konzipierenden Typ 60 K10 zugute.

    Die aerodynamisch optimierten Aluminiumkarosserien wurden wahrscheinlich bei der Karosseriefirma Reutter gefertigt. Andere Quellen sprechen von einer Beteiligung der Münchner Karosserieschmiede Rupflin. Um einen schmalen Dachaufbau zu ermöglichen, befand sich der Fahrersitz fast in der Fahrzeugmitte, so dass für den Beifahrer nur ein schräg nach hinten versetzter Notsitz blieb. Alle vier Radkästen waren mit Blechen verkleidet. Die aus der hervorragenden Aerodynamik resultierenden Luftwiderstandsbeiwerte erlaubten es, bei einer langen Getriebeübersetzung und mit der stärksten Motorausbaustufe eine theoretische Spitzengeschwindigkeit von bis zu 180 km/h zu erreichen.

    Im Bug des Fahrzeugs befanden sich hintereinander zwei Reserveräder sowie ein auf 45 Liter erweiterter Tank, der in den Beifahrer-Fußraum hin erweitert wurde. Motor und Getriebe waren wie beim Volkswagen und dem späteren Serien-Porsche 356 als Heckmotor angeordnet. Der Vierzylinder-985 ccm-Motor basierte auf dem Volkswagen-E60-Triebwerk, wurde aber mit größeren Ventilen, zum Teil auch mit Doppelvergasern und höherer Verdichtung in seiner Leistung auf bis zu 40 PS gesteigert. Viele Anbauteile an Motor und Fahrwerk wurden aus Gründen der Gewichtseinsparung in Leichtmetall als Sonderanfertigung produziert.

    Kurz vor Beginn der Fernfahrt „Berlin-Rom“ brach am 3. September 1939 der Zweite Weltkrieg aus, so dass die drei „Berlin-Rom-Wagen“ nicht zum Einsatz kamen. Die weitere Historie der „Berlin-Rom-Wagen“ in den Kriegswirren ist aus heutiger Sicht nur sehr schwer nachskizzierbar. Nur wenige schriftliche Quellen überdauerten die Zeit, und nur wenige Fotos existieren noch heute. Erschwerend kommt hinzu, dass die Typ 60 K10 bzw. Typ 64 als Versuchswagen innerhalb des Volkswagen-Projekts höchstwahrscheinlich der Geheimhaltung unterlagen.

    Auch der Verbleib der Wagen erweist sich als schwer dokumentierbar. Wagen 2 und 3 wurden von Porsche genutzt – u. a. als Prof. Porsches privater Reisewagen (höchstwahrscheinlich Wagen Nr. 2 (38/42)). Den Krieg überstanden sie so mehr oder weniger unbeschadet bei Porsche in Österreich in Gmünd und Zell am See.

    Der in Zell am See eingelagerte Berlin-Rom-Wagen Nr. 2 mit der Chassis-Nummer 38/42 wurde im Mai 1945 jedoch von US-Soldaten intensiven Testfahrten unterzogen, bei denen ein Loch in das Dach des Wagens geschnitten wurde, der Motor festlief und der gesamte Wagen letztendlich unfahrbar und zerlegt wurde.

    Die brauchbaren Einzelteile dieses Wagens wurden eingelagert. Der andere Wagen wurde von Pinin Farina überarbeitet. Beim Innsbrucker Hofgartenrennen am 11. Juli 1948 wurde dieser überarbeitete „Berlin-Rom-Wagen“ für die Firma Porsche werbewirksam vorgeführt. Hier sah ihn der österreichische Rennfahrer Otto Mathé, der in ihm sogleich den „Traum der Zukunft“ sah. Mathé kaufte den „Berlin-Rom-Wagen“ am 14. Juni 1949. Bei dieser Gelegenheit kaufte er auch die Fahrzeugteile von Wagen 38/42 sowie weitere Prototypenteile, die heute teilweise im AUTOMUSEUM PROTOTYP ausgestellt werden. Bis 1952 fuhr er erfolgreich mit seinem „Berlin-Rom-Wagen“ Rennen.

    Aus den überdauernden Fahrzeugteilen von Chassis 38/42 aus dem Nachlass von Otto Mathé ließ das AUTOMUSEUM PROTOTYP über den Zeitraum von 10 Jahren den „Berlin-Rom-Wagen“ Nr. 2 wieder auferstehen, wobei es gelang, Chassis und Technik komplett aus Originalteilen aufzubauen. So befanden sich beispielsweise die Vorderachse sowie das Getriebe aus dem Wagen in dem von Otto Mathé 1952 selbst konstruierten Rennwagen MA-01, auch bekannt als „Fetzenflieger“. Die Aluminiumkarosserie wurde originalgetreu rekonstruiert.

    Nun erstrahlt der „Berlin-Rom-Wagen“ 38/42 wieder in altem Glanz und kann in der Dauerausstellung des AUTOMUSEUM PROTOTYP in der Hamburger HafenCity besichtigt werden.

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