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    24h-Rennen Le Mans: Telemetrie-Systeme von Bosch im Einsatz beim Langstrecken-Klassiker – Reportage

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    Bosch Telemetrie in Le Mans im Einsatz„Es ist Nacht. In der Ferne zwei Scheinwerferlichter. Sie kommen näher. Ein Rennbolide prescht heran. Röhrender Motorenlärm bricht die Stille. Zwei rot glühende Bremsscheiben erhellen das Dunkel. Es sprühen Funken. Kaum ist das Fahrzeug um die Spitzkehre, beschleunigt es wieder. Ohrenbetäubendes Getöse. Und weg ist es.“ Dieses Spektakel ereignet sich mehr als 10 000 Mal während eines Rennens – bei Tag und bei Nacht, 24 Stunden lang. Was einen Rennenthusiasten immer aufs Neue fasziniert, sieht der Bosch-Ingenieur hinter seinem Monitor nicht mehr. Gebannt schaut er auf Daten und Kurven, Linien, Zahlen und Messwerte.

    Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist das bekannteste Langstreckenrennen der Welt. 56 Boliden sind am Start: Sie fahren um Sieg, Ruhm und Ehre. In diesem Jahr geht der Kampf um die Belastungsgrenze von Menschen und Material am 16. und 17. Juni in die 80. Runde. Auch für die Ingenieure der Abstätter Bosch Engineering GmbH bedeutet dieses Rennen 24 Stunden Adrenalin und den Höhenpunkt der Arbeit des vergangen Jahres. Das legendäre Rennen von Le Mans führt auf seinen rund 14 Kilometern von der französischen Stadt Le Mans zum Teil über gewöhnliche Landstraßen bis in den Nachbarort Mulsanne und wieder zurück. Nach dem ersten Streckenabschnitt mit der weltbekannten Dunlop-Brücke und der Hunaudieres, der längsten Geraden auf einer Rennstrecke weltweit, markiert die Spitzkehre von Mulsanne die Hälfte der Strecke. Der anspruchsvolle Rückweg beginnt, in dem sich Kurve an Kurve reiht. 354 Mal hatte das Siegerfahrzeug aus dem Jahr 2011 diese Distanz absolviert, als es die Ziellinie überquerte.

    Die Ingenieure und Entwickler von Bosch Motorsport bereiten sich seit einem Jahr auf den Langstrecken-Klassiker vor. Dabei gilt: nach Le Mans ist vor Le Mans. Direkt im Anschluss an das Rennen im Vorjahr beginnt die Arbeit in den Büros, Werkstätten und Labors für das kommende Jahr. Bosch Motorsport beliefert rund die Hälfte des Starterfelds in Le Mans mit hochkomplexer Renntechnik, unter anderem Steuergeräte, Einspritztechnik, Sensoren, Displays und Kabelbäume. Entwickelt, gebaut und getestet für das härteste Pflaster der Welt. Den großen Teams der Hersteller wie Audi Sport und Corvette steht zusätzlich Manpower von Bosch zur Seite. Sie bauen auch in ihren Boxen auf die Unterstützung der Kollegen des Abstätter Zulieferers.

    Vor Ort in Le Mans sind auch Bosch-Ingenieure, die nicht direkt in den Kommandoständen der großen Hersteller mitarbeiten. Aber sie sind von fast unschätzbarem Wert für sie. Sie sitzen an der berühmten Kurve von Mulsanne und sind für eine Technik verantwortlich, die man nicht anfassen kann. Man kann sie nur sehen. Sie sorgen für Zahlen, Daten und Fakten auf den Rechnern und Bildschirmen in den Boxen der Teams. Telemetrie sagt der Fachmann zu der Übertragung von Daten zwischen den Rennboliden und der Box. „Unsere Arbeit kennt fast keiner. Aber ohne sie würden die Teams in der Box oft auf einen leeren Bildschirm sehen.“, erklärt Bernd Nottebom, Motorsport-Ingenieur bei Bosch Motorsport. Nottebom und seine Kollegen liefern diese Daten in Form von Kurven, Messwerten und Tabellen. Die Informationen von Motor und Fahrwerk der Rennfahrzeuge sind dabei wie die Kurse an der Börse. Sind sie unbekannt, ist es schwer, eine Entscheidung zu treffen, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Sind diese Informationen jedoch bekannt, beantworten die Teams wichtige Fragen mit ihnen und fällen ihre Entscheidungen: Wann ist der nächste Tankstopp? Wie ist der Verbrauch? Arbeiten alle Systeme richtig?

    Die Rennboliden schicken dabei ihre Informationen permanent in die Box. Wird die Entfernung zur Box zu groß, kommen die Daten nicht mehr an. Gerade bei der langen Strecke in Le Mans ist das ein Problem. Deshalb arbeiten Nottebom und seine Kollegen in Mulsanne und liefern die wichtigen Daten als Entscheidungsgrundlage für die Teams quasi per verschlüsselter Luftpost in den Boxen. „Wir an der Mulsanne-Kurve fangen die Informationen aus den Fahrzeugen auf, filtern und verstärken sie und schicken sie sieben Kilometer weiter bis in die Leitstände in den Boxen“, so der langjährige Motorsport-Enthusiast. „Damit ist es für uns nicht das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, sondern es sind die 24 Stunden an der Kurve von Mulsanne.“

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